R.M.Rilke
Diese dürftige Gestalt und Born grosser Lyrik, verschieden an Weissblütigkeit, gebettet zwischen die bronzenen Hügeln des Rhonetals unter einer Erde, über die französische Laute wehen, schrieb den Vers, den meine Generation nie vergessen wird:
„Wer spricht von Siegen - Überstehen ist alles"
Die letzten Jahre in der Schweiz (1919-1927)
Äußerer Anlaß für Rilkes Umzug in die Schweiz ist die Einladung eines Lesezirkels zu einer Vortragsreise. Rilke nutzt diese Gelegenheit, eine Zäsur zu machen. Nach dem Zerfall des Habsburger Vielvölkerstaates ist sein Paß ungültig. So beantragt der gebürtige Prager die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft, die er 1920 erhält. Er reist viel herum, fährt nach Venedig und Paris.
Nach Deutschland kehrt er nicht zurück. Den Winter 1920/21 verbringt Rilke unproduktiv in einem Schloß bei Zürich. Im folgenden Frühling findet er ein Heim, das ganz seinen Bedürfnissen entspricht: Einen heruntergekommenen Turm aus dem 13. Jahrhundert, einsam gelegen im Rhône-Tal. Bevor der Dichter einzieht in den "Turm von Muzot" (sprich: "Müsott"), wird dieser noch schnell renoviert und mit einer Haushälterin besetzt. Jetzt gilt es, die Arbeit zu vollenden, von der ihn die Einberufung zum ersten Weltkrieg weggerissen hatte und für die er danach nie wieder die Konzentration fand:
Die Duineser Elegien.
Der Bann hält bis zum Februar 1922. In diesem Monat verfaßt Rilke von 2. bis zum 5. zunächst 26 " Sonette an Orpheus", vom 7. bis 14. die sechs fehlenden Duineser Elegien und vom 15. bis zum 23. weitere 29 "Sonette an Orpheus". In den folgenden Jahren bleibt Muzot Rilkes Rückhalt. Von dort reist er viel umher, um Freunde zu besuchen, und verbringt eine glückliche Zeit. Er verfaßt weitere Gedichte, teilweise in Französisch. 1925 verbringt er nocheinmal einen Frühling in Paris. Dort wird er wo der Dichter von Literaten wie André Gide und Paul Valéry gefeiert.
Eine Krankheit, wegen der Rilke schon seit 1923 immer wieder zu Aufenthalten im Sanatorium gezwungen war, erfordert jedoch seine plötzliche Abfahrt. Sein Zustand verschlimmert sich 1926 weiter. Er bleibt in der Schweiz und kommt im Dezember in das Sanatorium von Val-Mont. Am 29. Dezember 1926 stirbt Rilke an Leukämie. Am zweiten Januar 1927 wird er in Raron im Kanton Wallis beigesetzt.
ROSE, OH REINER WIDERSPRUCH, LUST,
NIEMANDES SCHLAF ZU SEIN UNTER SOVIEL LIDERN.